Ein besonderes Fest

Heute ist der 16. Januar 2013

Wir waren eingeladen zu einem Fest, von dem ich nicht weiß, wie ich es auf Deutsch oder Englisch übersetzen soll. Also, kurz bevor das Kind 3 Jahre alt wird, machen die Eltern mit ihm eine Zeremonie, in der das Kind offiziell den ersten Buchstaben lernt und schreibt, also der Beginn der intellektuellen Ausbildung. Unsere Freunde sagten mir, dass man das unterschiedlich gestalten kann. Man kann viele Leute einladen oder nur die engsten Verwandten und Freunde.

 

Senuja Fest wurde so gestaltet:

Ein buddhistischer Mönch wurde eingeladen. Ein Astrologe bestimmte die osbische (richtige oder glückliche)  Zeit zu der das geschehen sollte. Auf die Minute genau um 10,08 Uhr.

 

Aber vorher war viel zu organisieren und zu machen: Es mussten 7 Früchte bereitgestellt werden,

5 Sorten selber gemachte Sri Lankische Süßigkeiten, 4 verschiedene Farben von Blumen, rote, gelbe, orangene und weiße. Aus Jasmin und einer anderen weißen Blüte mussten 2 Garland (Blütenkränze)  gefertigt werden. Öl-Lämpchen, mussten da sein, Weihrauch und  Räucherstäbchen. Eine Kokosnuss musste auch da sein und ein großer Stein an dem sie zerschlagen werden sollte.  Und ganz wichtig - Lotos Blumen mussten angeschafft werden. Das war besonders schwierig, weil in unserer Gegend durch den Monsun alle Lotosblüten  kaputt gegangen waren. Eine Bekannte half dann aus Matara, also von weit her, diese wichtigen Blüten zu beschaffen.

 

Auch ein großer bauchiger Wasserbehälter war da. Von dem aus war eine weiße Schnur durch den Raum gespannt und an der Wand befestigt.

 

Ich möchte noch erwähnen, dass die Eltern uns vorher gesagt hatten, alle Beteiligten dürfen mindestens einen Tag vor der Zeremonie kein Fleisch und keinen Fisch essen und alle sollen in weiß gekleidet sein.

 

Der Mönch kam. All die Blüten und Früchte waren vorbereitet, der ganze Esstisch war voll davon.  Der Mönch und die Eltern des Kindes machten dann aus einem kleineren Tisch einen Altar. Er wurde mit einer Decke, Zeitungspapier und einem Bananenblatt abgedeckt. Eine Buddhastatue stand dort und sieben Bilder von Hindugöttern. Die wichtigsten Bilder waren das von Ganesh, dem Gott in Elefantenform und seiner Gemahlin.

 

Darauf hin gaben die Eltern dem Mönch eine Zutat nach der anderen. Der zerschnitt, die Ananas und alle anderen Früchte und drapierte sie schön auf dem Altar. Die Kokosnuss zerschlug er an dem Stein und drapierte sie zu den anderen Sachen. Zuletzt kamen die Blumen und die Blumenkränze und ganz zum Schluss die Lotosblumen. Auch die Öl-Lämpchen waren auf und neben den  Früchten verteilt und die Räucherstäbchen wurden angezündet. Zusätzlich wurde in einer Schale ganz viel Weihrauch gemacht.

 

Der Mönch sang dann ganz lange und machte immer wieder neu Weihrauch. Die Eltern und Gäste saßen auf einer Matte vor dem Altar und dem Mönch. Das Kind langweilte sich und krabbelte im Raum herum. Endlich kam die Zeit in der der Mönch allen Anwesenden einen Teil der vorbereiteten weißen Schnur ums Handgelenk band, wie das bei allen Buddhistischen Zeremonien der Fall ist.  Auch bekam jeder Anwesende mit einem Tuch etwas Wasser aus dem Behälter in die Hand geträufelt, das er trank.

 

Als diese lange buddhistisch-hinduistisch gemixte Zeremonie vorüber war, schauten alle auf die Uhr und warteten bis es genau 10,08 Uhr war. Dann dufte Senuja geführt von der Hand seiner Mutter das Wort Bus auf ein Blatt schreiben, auf dem sein Vater einen Bus gemalt hatte.

Dann war die Zeremonie zu Ende.