Regen und Sturm

5. Januar 2013

Es ist schon bald Mitternacht. Ich sitze bei Kerzenlicht und schreibe dies. Später werde ich es mit dem Computer abtippen. Wir haben schon länger als 24 Stunden keinen Strom. Wir haben zwei Taschenlampen, die eine kann mit Strom geladen werden die andere mit Sonnenlicht. Beide sind schon ausgepowert. Jetzt verwenden wir die letzten Kerzen um etwas zu sehen in der stockschwarzen Nacht. Zur Zeit haben wir den Nordostmonsun. In den vergangenen Wochen hat es sehr viel geregnet. Das Erdreich war aufgeweicht und es gab viele Erdrutsche. Aber Jetzt ist ein gewaltiger Sturm. Heute am Tag war ich öfter auf der Veranda gesessen und habe zugeschaut, wie der Wind  die Bäume weiter oben am Berg gerüttelt und geschüttelt hat. Ich habe die Bäume wegen ihrer Standfestigkeit und ihrer Beweglichkeit bewundert. Auf jeden Fall hat keiner der Bäume Schaden gelitten, aber viele Häuser der Menschen wurden beschädigt.

 

Gestern hat unsere Nachbarin Pathma angekündigt, dass sie heute zum Frühstück Milchreis bringen wird, das macht sie oft samstags. Wir warteten auf den Milchreis, aber sie kam und kam nicht. Als sie irgendwann am Vormittag aufkreuzte erzählte sie, dass bei einem Nachbarn weiter oben am Berg das Dach beschädigt worden war und dass ihre ganze Familie geholfen hätte es notdürftig zu reparieren. An Milchreis und Frühstück hatte kein Mensch  mehr gedacht. Ich finde es schön, wie sich die Menschen in Notsituationen gegenseitig helfen.

Pathma hat uns auch erzählt, dass der Schaden bei manchen Häusern so schlimm ist, dass die Leute nicht mehr drin bleiben können.  In der Kirche und im Tempel seinen etwa 40 Menschen untergekommen.

 

6. Januar 2013

Inzwischen  ist es schon wieder fast Mitternacht. Es ist wieder stockdunkel, der Wind hat sich beruhigt, aber wir haben noch immer keinen Strom. Vor Jahren hat uns die Firma Shell Solarlampen eingebaut. Dann hat sie sich aus dem Staub gemacht. Es gibt keine Nachfolgefirma, die den Kundendienst übernimmt. Nun haben wir ein Solarpaneel auf dem Dach und Lampen in den Räumen. Aber Licht haben wir nicht.

Die Leute in Sri Lanka sind sehr gut in der Eröffnung von etwas, aber im Pflegen und Instandhalten sind sie überhaupt nicht gut. Bei den Toiletten fällt mir das am meisten auf. Es gibt selten eine Toilette bei der die Spülung funktioniert. Bei vielen anderen Dingen ist es auch so. Darum sieht vieles so verlottert und heruntergekommen aus.

 

7. Januar 2013

Jetzt haben wir schon der Dritten Tag keinen Strom. Von den Nachbarn habe ich gehört, dass es bis zu zwei Wochen gehen kann bis der Schaden repariert ist, sogar das Militär beteiligt sich an den Reparaturarbeiten. Es muss an der Leitung die zu unserem Ortsteil führt durch den Sturm ein ganz schlimmer Schaden entstanden sein. Die Stromleitungen gehen ja nicht unterirdisch wie in Deutschland, sondern über das Land. Fast bei jedem Gewitter fällt ein Baum auf eine Leitung, und wir haben sehr oft Stromausfall.  Aber diesmal muss der Schaden gewaltig sein.

Hurra - eine Stunde nachdem ich dies geschrieben hatte, ging plötzlich das Licht an.

 

In Deutschland habe ich mich nie sooo über den Strom gefreut wie hier.  Wenn er so oft nicht da ist, schätzt man seinen Wert erst richtig.

Inzwischen war der Strom noch mehrere Male weg. Aber nach einigen Stunden kam er dann wieder.

Im Moment haben wir Strom!!!

Aber einige Nachbarn haben heute schon den 9. Tag keinen Strom.

Sie kommen nun zu uns, um wenigstens ihre Handys aufzuladen.

 

Nun ist der Januar schon fast vorbei, dennoch haben wir so ziemlich jeden zweiten Tag Stromausfall. Da merkt man erst, wie wir für fast aller Strom brauchen.