jährlicher Rundbrief 2012

Liebe Freunde und Verwandte!

Heute ist der 12. Dezember 2012 also der 12.12.12.

Dies ist das Datum des Jahres, nein des Jahrtausends, denn es kommt erst 3012 wieder vor.

So ein Datum kann ich nicht vorbei gehen lassen, ohne einen Brief zu schreiben. Also, schreibe ich heute unseren jährlichen Rundbrief.

Dieses Jahr hatte für uns einen Tiefpunkt und einen Höhepunkt. Der Tiefpunkt war im Frühjahr. Da hatte ich eine Lebensmittelvergiftung und wäre fast gestorben. Ich hole jetzt ein paar Sätze, die ich, als ich wieder konnte, geschrieben habe.

Wenn in Sri Lanka ein Patient ins Krankenhaus kommt, muss er seinen persönlichen Betreuer (Attendant) mitbringen. Außerdem gibt es kein Essen im Krankenhaus. Es ist also immer eine Katastrophe für die ganze Familie. Eine Person muss mitgehen und die anderen müssen für den Kranken und den Betreuer kochen und das Essen ins Krankenhaus bringen.  Je nach dem, wie weit weg das Krankenhaus ist, sind sie dauernd unterwegs und sie brauchen zu allem zusätzlich noch Fahrgeld.

Mit mir ging Pathma als Betreuerin. Unsere Familie besteht ja eigentlich nur aus Ritchie und mir. Vor 10 Jahren kamen wir zu zweit hier an und kannten niemanden. In der Zwischenzeit ist unsere „Familie“ auf 31 Personen angewachsen. Das sind 19 Erwachsene, 9 Jugendliche, 2 Kinder und 1 Baby. Besonders mit den 9 Jugendlichen, die ja damals noch Kinder waren, haben wir viel gemacht, gesungen, gemalt und gespielt und vor allem Geburtstage gefeiert.

Also, die „Familie“ hat für Pathma und mich gekocht, obwohl ich ja nicht essen konnte.

Dann ist es in Sri Lanka Brauch, dass alle, die ihn kennen, den Kranken besuchen, zumindest am Anfang. Ich war so k. o., dass ich niemanden sehen wollte, aber so einen Wunsch versteht hier keiner. Am ersten Tag bekam ich schon Besuch. Links war Wand, am Fußende war Wand, rechts saß Pathma, also  standen alle am Kopfende meines Bettes. Wenn ich die Augen nach oben rollte, sah ich immer neue Gesichter. Pathma sagte mir, es waren 14 Leute.

Wenn ich jetzt im Nachhinein daran denke, fällt mir das Kinderlied ein: „Abends wenn ich schlafen geh‘ vierzehn Engel um mich stehn, zwei zu meiner Rechten, zwei zu meiner Linken  usw. Meine „Engel“ standen alle zu meinen Häupten, da sonst nirgends Platz war.

Zu den Betreuerinnen möchte ich noch was sagen. Sie sind den ganzen Tag um den Kranken herum, den sie betreuen. Für sie wird überhaupt nichts getan. Wenn das Essen nicht von zuhause gebracht werden kann, müssen sie sich um das Essen für sich und den Kranken kümmern. Das kaufen sie dann in einem Kiosk in der Nähe des Krankenhauses. Nur selten haben sie einen Stuhl. Da sie ja auch über Nacht da sind, sollten sie wenigstens Matten haben auf denen sie schlafen können. Aber sie haben absolut nichts. Darum schlafen die Betreuer zusammen mit dem Kranken in dem schmalen Krankenhausbett. Wir haben es dann geschafft in einem privaten Krankenhaus ein Einzelzimmer zu bekommen, wo Ritchie bei mir im Zimmer sein konnte. Vorher lag ich in einem großen Saal, wo nur Frauen waren.

Als es mir so schlecht ging, haben wir ernsthaft überlegt, wieder nach Deutschland zurückzugehen. Aber mit unserer winzigen Rente wären wir dort ganz arme Leute. Auch wäre es unmöglich wieder ein so schönes soziales Umfeld aufzubauen, wie wir es hier haben. So ein Haus mitten im Wald und doch nahe bei den Nachbarn, gäbe es in Deutschland auch nicht. Als es mit wieder besser ging, haben wir die Idee wieder fallen lassen. Doch wir wünschen uns zu sterben, ohne vorher ernstlich krank zu sein. Im Nachhinein finden wir das Erlebte interessant, aber wiederholen wollen wir es nicht.

Dieses Jahr hatten wir viel  lieben Besuch zuerst Verwandte von Ritchie, die jetzt in Australien leben und mal wieder Sri Lanka sehen wollten. Sir Lanka gefiel ihnen nicht, in Australien geht es ihnen viel besser. Dann hatten wir Besuch aus Deutschland. Zuerst kamen Steffi Höltje und Margret Backere aus Überlingen am Bodensee, dann Hella und Dieter aus Belm bei Osnabrück, nach ihnen kamen Ingrid und Wilfried Staiger aus Pforzheim. Die Reihe der Besucher wurde fortgesetzt von Alica Bauknecht, die in Sri Lanka ein Medizinpraktikum gemacht hat. Weiter ging es mit Reiner und Imme Koch und ihrem Sohn Sören aus Bederkesa bei Bremen. Dann kamen Anne und Sonja Mittrowann aus Hettstadt bei Würzburg, wo wir zuletzt in Deutschland auch gewohnt hatten. Dann haben uns Jeannine und Silvia Rebel besucht zusammen mit Edgar Disch. Die letzten Besucher waren Wolfgang, Ulla Sabrina und Mona Graf aus Eggstätt in Bayern. Mit ihnen machten die Nachbarn eine Sari-Modenschau. Das war so lustig, dass es die Deutschen und die Sri Lanker wohl nie vergessen werden.

Hier möchte ich noch bemerken, dass wir sehr gerne Besucher haben,

speziell aus Deutschland, aber auch aus anderen Ländern.

 

Den Höhepunkt dieses Jahres erlebten wir im Herbst. Wir gehen ja jedes Jahr nach Deutschland, aber dieses Mal hatten wir zwei meiner Deutschschülerinnen (Buddhini und Nilakshi) mitbebracht. Sie hatten im August ihr Abitur gemacht. Das Resultat bekommen sie vielleicht an Weihnachten oder noch später. Also hatten sie monatelang Zeit, in der sie nichts Vernünftiges tun konnten. Einen Teil dieser Zeit haben wir benützt, um ihnen Deutschland zu zeigen.

Freunde haben die Sache finanziell ermöglicht und die Mädchen eingeladen. Auf diese Weise haben die sie viel gesehen, vom Genfer See und einigen Gletscherbergen in der Schweiz bis an die Nordsee. Und sie haben viele von unseren Freunden kennen gelernt. Den Geldgebern und Gastgebern haben wir schon ausführlich von unseren Erlebnissen berichtet.

 

Inzwischen sind wir schon fast einen Monat wieder in Sri Lanka. Oliver ein Mann aus Kiel, der schon viele Jahre nach Sri Lanka kommt und ganz in unserer Nähe soziale Projekte betreut, suchte für zwei Mädchen (Razmi und Sabra) eine Deutschlehrerin. Die hat er nun in mir gefunden. Am 1. Advent hatten wir die erste Unterrichtsstunde. Die Tochter (Nadesha) unseres Freundes Premasiri hat sich kurz entschlossen dazu gesellt. Ab dem 2. Advent macht auch der Threewheelerfahrer der Mädchen mit.  Ich hatte ihn gefragt, ob ihn das interessiere, anstatt herumzusitzen und zu warten, bis der Unterricht fertig ist. Er hat begeistert ja gesagt. Er hat einen langen komplizierten Namen, darum nennen ihn alle einfach Tamil, das ist eigentlich nur der Anfang seines Namens.

Mit den neuen Schülern hatten wir schon viel Spaß. Nach dem Deutschunterricht malen wir auch Mandalas.  Die ‚alten‘ Schüler werden weiter lernen und ihre Sprachkenntnisse vervollkommnen.

 

Dieses Jahr haben wir Ritchies 80. Geburtstag gefeiert zuerst in Deutschland und dann noch mal in Sri Lanka. Es ist schön für uns an zwei Orten der Welt eine Heimat zu haben und liebe Menschen zu denen wir gehören.

 

Damit grüßen wir euch alle ganz herzlich und wünschen euch ein gesegnetes Weihnachtsfest und  ein gutes Neues Jahr 2013


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